Mit welchen Lenkungsinstrumenten kann die öffentliche Hand Biodiversität im Siedlungsraum fördern?

Um eine vielfältige Siedlungsnatur zu fördern und langfristig zu etablieren, bedarf es neben Bewusstseinsbildung auch kommunal-staatlicher Lenkungsinstrumente. Dazu muss die klare Notwendigkeit aus der Verwaltung heraus formuliert, an die Politik herangetragen und die Kommunen in die Verantwortung gezogen werden. Für eine erfolgreiche Umsetzung in die Praxis braucht es zudem begeisterte Initiator*innen, die bereit sind gute Beispiele mit Vorbildwirkung zu generieren. Ob dafür mehr Gesetze notwendig sind oder ob der Weg zum Erfolg über ausgeklügelte Förder- und Anreizsysteme führt, bleibt offen. In den Diskussionsergebnissen ist jedoch eine Tendenz ablesbar: die Kombination macht’s.

Planungsinstrumente gezielt nutzen – Planungsinstrumente wie das räumliche Entwicklungskonzept (AT), der Flächenpool oder das Ökokonto (DE), Bebauungspläne (AT, D) oder Sondernutzungspläne (CH, FL)  sind hilfreiche gesetzliche Grundlagen für die Sicherung von Grün im Siedlungsraum.

Ressortübergreifend zusammenarbeiten – die Förderung von Naturvielfalt im Siedlungsraum ist eine Herausforderung, die ein Ressort allein nicht meistern kann. Naturwissenschaftler*innen, Planer*innen, Architekt*innen, Sozialwissenschaftler*innen und Praktiker*innen müssen zukünftig an einem Strang ziehen, um eine langfristige Breitenwirksamkeit zu erzielen.

Anreiz- und Fördersysteme schaffen – Um die Aufmerksamkeit der Entscheidungsträger*innen zu gewinnen, müssen Bonussysteme geschaffen werden, bis die biodiversitätsfördernden Maßnahmen zum Selbstläufer werden. So ist die Zahl der Dachbegrünungen durch Fördermaßnahmen in der Stadt Basel derart gestiegen und die Folgekosten so gefallen, dass die Förderung obsolet wurde. In Deutschland hingegen wurde 2017 im Rahmen der Städtebauförderung  „Zukunft Stadtgrün“ den Kommunen zusätzliche 50 Millionen Euro bereitgestellt, welche Städte wie Nürnberg „Mehr Grün für Nürnberg“ konkret umsetzen.

Unterstützende Tools entwickeln Es müssen mehr zielgruppenspezifische Toolkits wie das Konzept „Animal-Aided Design: Bauen für Mensch und Tier“ entwickelt werden. Aber auch das 2017 vom BMUB erschienene „Weißbuch Stadtgrün“ fasst Handlungsempfehlungen zusammen und Handlungsfelder auf.

Öffentlichkeitsarbeit betreiben – Eine Sensibilisierung der Akteur*innen ist ein wichtiger Schlüsselfaktor für die erfolgreiche Biodiversitätsförderung. Die positive Wirkung von Siedlungsgrün auf die menschliche Gesundheit, seine Ökosystemleistungen und die Klimawandelanpassung muss klar kommuniziert werden. Bürgermeister*innen sind hier gute Kommunikator*innen, da sie ihre Projekte aus den Kommunen in den Städte- und Gemeindebund hereintragen und damit auf eine breite Basis stellen können.

Das richtige Wording finden Um eine Identifikation der Bevölkerung mit der Thematik zu erreichen,  müssen neben dem Begriff Biodiversität vermehrt auch andere bildhafte und zugleich aussagekräftige Namen wie z.B. Wiesenstadt Wangen, natürlich bunt & artenreich oder ähnliches gefunden werden.

Über den eigenen Tellerrand schauen Der Blick nach Außen kann inspirieren und zu neuem Tatendrang führen, ein aufflackernder, positiver Wettbewerbsgedanke die erforderliche Prise Motivation hervorrufen.

Qualitäts-Labels adaptieren – Biodiversität kommt bei aktuellen Nachhaltigkeitszertifizierungen (z.B. LEED, BREAM) zu kurz. Das Konzept der Nachhaltigkeit muss in Zukunft ganzheitlicher gedacht und Qualitäts-Labels dementsprechend angepasst werden.

Kontrollmechanismen einführen – bestehende Auflagen scheitern oft an der nicht fachgerechten Umsetzung und einer fehlenden Kontrollinstanz. Die Sorge vor Kontrollaufwand muss überwunden und die Qualitätsstandards stärker eingefordert werden: Kontrollinstrumente müssen praktikabel sein.

Mit gutem Vorbild voranschreiten Gebietskörperschaften müssen ihre Vorbildwirkung wahrnehmen, indem sie Leitbilder entwickeln und  Leuchtturmprojekte anstoßen. Für Liegenschaften der öffentlichen Hand sollten diesbezüglich klare Vorgaben gemacht werden.

Sich für den Klimawandel wappnen – In Zukunft kann es sich keine Gemeinde mehr leisten, die Klimawandelanpassung nicht in ihre städtebauliche Entwicklung einzubeziehen. Vernachlässigt sie diesen Faktor, wird sie langfristig einen Standortnachteil haben – dies sind vor allem höhere Infrastrukturkosten, welche auf Kosten der Allgemeinheit gehen.

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